Islamischer Antisemitismus
Anmerkungen zu Wesen und Herkunft eines verdrängten Problems

Dass es islamischen Antisemitismus gibt, wird heute kaum noch bestritten. Nicht nur Zeitungen und Fernsehsendungen im Nahen Osten strotzen vor antijüdischer Propaganda, nicht nur die Holocaust-Leugung und die Ankündigung der Vernichtung Israels durch den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, nicht nur der antisemitische Terror von Hamas und Hisbollah sind aktuelle Beispiele für islamische Judenfeindschaft, sondern auch der zunehmende Antisemitismus unter Moslems in Europa. Gerade angesichts der akuten Bedrohung Israels stellt sich die Frage, wie man diesen Antisemitismus am besten bekämpfen kann. Dass man einem Phänomen nur dann wirksam etwas entgegensetzen kann, wenn man seine innere Logik durchschaut hat, ist Anlass genug, sich mit der Frage nach dem Wesen und der Herkunft des islamischen Antisemitismus zu beschäftigen. Entgegen der gängigen Vorstellung der zahlreichen „Islamexperten" vertritt Philipp Lenhard, Redakteur der Zeitschrift Prodomo und Autor u.a. für Jungle World, Bahamas und Konkret, die Auffassung, dass der Antisemitismus unter Moslems kein reiner Export aus dem Westen ist, sondern im Islam selbst wurzelt. Dabei beharrt er darauf, den Islam nicht als starres Objekt zu betrachten, sondern als ein Produkt gesellschaftlicher und historischer Auseinandersetzungen. Anhand der Geschichte der islamischen Reiche und der damit verbundenen Geistesgeschichte zeichnet Lenhard die Herausbildung eines islamischen Antirationalismus nach, der von Anfang an mit einem dezidiert islamischen Judenhass verknüpft war.

 

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